Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr!

Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr!

Liebe Selbacherinnen, liebe Selbacher,

bei aller Veränderung, guten wie schlechten Entwicklungen brauchen wir Menschen Fixpunkte im Leben. Tagtäglich, im Laufe eines Kalenderjahres und ganz besonders brauchen wir sie in ungewohnten und unsicheren Zeiten wie diesen. Gerade die schnelllebige, digital überprägte Lebens-„Wirklichkeit“ weckt in uns das Bedürfnis nach Beständigkeit und Kontinuität. Menschen, die wir lieben, bieten diesen nötigen Halt und diese Sicherheit. Gewohnte Heimatklänge wie unsere Kirchenglocken vermitteln Geborgenheit. Ein seit jeher in unserer Dorfmitte verankerter, neu gestalteter Fixpunkt der Geselligkeit und Zusammenkunft ist unser Dorfplatz, dort, wo früher eine Gaststätte stand. Er bietet sich an als Anlaufpunkt für einen regelmäßigen Plausch nach Feierabend. Eigentlich ist es einfach, sich dem allgegenwärtigen „Stress“ einmal zu entziehen – für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, ein Innehalten beim Spaziergang über den Eichenhahn, um den Blick schweifen zu lassen. Wir müssen es nur tun und merken die wohltuende Wirkung. „Achtsamkeit“ ist ein Begriff, der dies beschreibt und in letzter Zeit wieder ein geflügeltes Wort wird. Aber davon reden und schreiben allein hilft nicht (das muss ich mir auch selbst auf die Nase binden).

Ich danke Ihnen, liebe Selbacher, die Sie im zurückliegenden Jahr so zahlreich mitgeholfen haben bei ehrenamtlichen Aktionen – vor allem bei der Gestaltung des Dorfplatzes, ob als Einzelperson oder im Verein. Danke für Ideen, Initiativen und auch für deren Umsetzung! Das bevorstehende Jahr steht im Zeichen von Investitionen in unsere Infrastruktur, denn „Dorfleben mit Zukunft“ benötigt sichere, ausgebaute Straßen, aber auch einen schönen Spielplatz.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie achtsam durch die Feiertage und das neue Jahr gehen, gerade in Bezug auf die leider immer noch anhaltende Pandemie, aber auch in anderer Hinsicht: Finden Sie täglich Zeit für Achtsamkeit für sich selbst und Ihre Mitmenschen. Bei aller positiven Dynamik und Geschäftigkeit auch mal schöpferische Langsamkeit üben und behutsam sein. Wenn wir das alle beherzigen, kann das außerordentlich positiv ausstrahlen auf unsere Gesundheit, aber auch auf unsere Gemeinschaft im Dorf. Nehmen Sie den Fixpunkt „Geburtstag Jesu Christi“ dankbar an. Frohe Weihnachten und ein gesundes Jahr 2022 mit vielen schönen „echten“ Momenten!

Ihr und Euer
Ortsbürgermeister
Matthias Grohs

St. Anna Kirche Selbach

Unser Dorfplatz im Herzen von Selbach ist fertiggestellt!

Unser Dorfplatz im Herzen von Selbach ist fertiggestellt!

Die Ortsgemeinde Selbach bedankt sich sehr herzlich bei den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, die bei der Entstehung der neuen Begegnungsstätte geholfen haben. Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden geleistet. Viele Privat- und Geschäftssponsoren haben mit Material, Planungsleistungen und Geld unterstützt. Ein großartiges Projekt, das die Dorfgemeinschaft mitgeplant und unter großer Beteiligung umgesetzt hat.

Am 22. Mai 2022 wollen wir den Dorfplatz einweihen und feiern!

Die Fotogalerie zeigt die „Abrissparty“ vor der alten Gaststätte Rosenbauer im Sommer 2017 und gibt einen Einblick in die einjährige Bauphase des Dorfplatzes zwischen Herbst 2020 und Herbst 2021. Viel Spaß beim Anschauen!

Von armen Löjn

Mühlenhardt

Anekdötchen of Platt

Die Serie „Anekdötchen of Platt“ behandelt in loser Abfolge kleine, meist humorvolle, Geschichten aus vergangener Zeit, geschrieben von Selbacher Bürgern in Selbacher Dialekt. Dialekt ist kein Zeichen mangelnder Bildung oder Rückwärtsgewandtheit, sondern er schafft Identität und ist Kulturbestandteil. Wir wollen unsere eigene Sprache nicht verlernen: Geben wir sie an unsere Kinder weiter, sprechen wir sie!

In der folgenden Anekdote geht es um die nimmer endende augenzwinkernde Rivalität der hiesigen Waldgenossenschaften, wobei manchmal bis in die heutigen Tage der Neid trotz des humoristischen Mantels nicht zu verhehlen sein wird. Die Rauchschwaden verbrannten Haubergholzes prägen auch im 21. Jahrhundert noch den Blick auf das winterliche Selbacher Tälchen.

Hauberg Mühlenhardt Mitte des 20. Jh., im Eigentum einer der kleinsten Waldgenossenschaften Selbachs (Foto: Bruno Osinski)

von Franz Geimer, um 1910

Der Geimersch Vater on seng Sohn Franz gingen of dem Echenhahn spaziern.
Als di zwei su üwer Serlwisch sochen, sahte der Vadder:
„Seh dir jenau di Höuser ahn, ous deren Schornsten schwarzer Rauch kömmt. Dat sen di armen Löj, die nasset Holz verbrön, dat se sesch vürher bi ous 28ern jeklaut han.“

Zwei „First Responder“ und Defibrillator sorgen für mehr medizinische Sicherheit

Zwei „First Responder“ und Defibrillator sorgen für mehr medizinische Sicherheit

Notfallversorgung in Selbach wird durch zwei ehrenamtliche Bürger und ein öffentlich zugängliches AED-Gerät erheblich aufgewertet

Die Selbacher Lisa Hüsch (Notfallkrankenschwester) und Daniel Corten (Arzt) engagieren sich ehrenamtlich. Lesen Sie hierzu den Presseartikel im AK-Kurier: Wissener First Responder übergeben Defibrillator an Selbach | AK-Kurier.de

Selbach hat nun eigene Ortsflagge

Selbach hat nun eigene Ortsflagge
Landrat Dr. Enders überreicht Ortsbürgermeister Grohs die Genehmigungsurkunde zum Führen der Gemeindeflagge, links Ortsbeigeordneter Gotto, rechts Bürgermeister Neuhoff.

17 Jahre nach Einführung eines Ortswappens schmückt sich die Ortsgemeinde Selbach (Sieg) fortan mit einer eigenen Gemeindeflagge. Landrat Dr. Peter Enders überreichte die Genehmigungsurkunde Ortsbürgermeister Matthias Grohs im Beisein von Verbandsbürgermeister Berno Neuhoff und dem Ersten Ortsbeigeordneten Michael Gotto im Wissener Rathaus. „Es ist mir ein Anliegen, die Urkunde persönlich zu überreichen“, sagte Enders. Die Flagge sei ein starkes Zeichen der Souveränität des Ortes, so der Landrat. Ortsbürgermeister Grohs ergänzte: „ Das ist ein guter Tag für Selbach. Die Flagge trägt zur Identifikation der Bürger mit ihrem Dorf bei.“ Michael Gotto pflichtete bei: „Die Flagge mit unserem schönen Wappen kann sich sehen lassen!“ Ende Mai stimmte der Ortsgemeinderat einstimmig für die Einführung der Flagge. Nach Vorlage eines Entwurfes durch die Verbandsgemeindeverwaltung wurde dieser vom Landeshauptarchiv Koblenz geprüft und ein Gutachten erstellt, welches sodann zur Genehmigung bei der Kommunalaufsicht des Kreises vorgelegt wurde. Künftig wird die durch eine Spende finanzierte Flagge zu besonderen dörflichen Anlässen auf dem neuen Dorfplatz gehisst werden.

Aktuelle Information der VG-Werke: Erdgasversorgung in Selbach

Aktuelle Information der VG-Werke: Erdgasversorgung in Selbach

Immer mehr Selbacher entscheiden sich für einen Erdgasanschluss und die Anfragen bei der Ortsgemeinde über einen aktuellen Sachstand häufen sich in letzter Zeit. Daher haben die Verbandsgemeindewerke Wissen freundlicherweise folgende Informationen zusammengestelllt, die Sie mit einem Klick als PDF herunterladen könnnen:

Em Holz

Em Holz

Anekdötchen of Platt

Die Serie „Anekdötchen of Platt“ behandelt in loser Abfolge kleine, meist humorvolle, Geschichten aus vergangener Zeit, geschrieben von Selbacher Bürgern in Selbacher Dialekt. Dialekt ist kein Zeichen mangelnder Bildung oder Rückwärtsgewandtheit, sondern er schafft Identität und ist Kulturbestandteil. Wir wollen unsere eigene Sprache nicht verlernen: Geben wir sie an unsere Kinder weiter, sprechen wir sie!

In der folgenden Anekdote geht es um ein Paar, das seine „Zusammenführung“ noch einmal vergegenwärtigt. Der damalige (?) Charme mancher Ehemänner kommt hier deutlich zum Ausdruck. Die Szene spielt sich wie so oft im Hauberg ab, beim so genannten Lohschälen, einer wichtigen Erwerbsquelle der Selbacher.

von Maria Klein (um 1920)

Luhschärlen

nachgestellt von Peter Kemper und Helmut Brucherseifer am 01.07.2003
Die Eichenrinde wurde im Hauberg jahrhundertelang genutzt, um sie in die umliegenden Lohmühlen zu verbringen, die wiederum Gerbstoffe für die Lederherstellung lieferten.

Die Werkzeuge zum „Luhschärlen“ – Lohlöffel und -ritzer – finden sich im Wappen der Ortsgemeinde wieder.

(Foto: Grohs, 2003)

Gejmersch Majan wohr ous Hönningen on schaffte en da Brändemichs Müll em Houshalt. Du woar me mol zesamen em Klifeld am Luh schärlen. Wi ma of em Holz soßen on woarn am Kaffetrönken, du sah of enmol det Majan – et zeischte wejt en de Welt, von do kunn ma nämlich ganz wejt sehn – : „Kummt, seht e mol. Do es Hönningen. Do wor esch dahem.“
On du wonerten ma ous all. Nur da Wilhelm, seng Mann, stonn net of.
Du sah et Majan: „Na Wilhelm. Komm, seh doch mol, wo esch dannen senn!“
Du sah der Wilhelm (er hatte det Majan en der Brändemichs Müll kennenjeliert): „Nä. Do hätt esch desch net jesucht. – Et hätte sesch awer och net jeluhrnt.“

Anmerkung:
Majan: Marianne Grohs, geb. Schönborn (08.01.1866 – 28.07.1943);
Wilhelm: Wilhelm Grohs (20.11.1856 – Jan. 1918)

Dorf mit Zukunft: Konzept zur Dorferneuerung steht.

Dorf mit Zukunft: Konzept zur Dorferneuerung steht.

Gestaltungs- und Handlungsfelder für die nächsten 10 bis 15 Jahre

Die Ortsgemeinde Selbach (Sieg) ist seit den 1990er Jahren Dorferneuerungsgemeinde. Das bisherige Dorferneuerungskonzept bedurfte einer Fortschreibung. Die Gemeinde hat daher beschlossen, ihre Ortsentwicklung aktiv zu gestalten und startete im Jahr 2017 mit einer Dorfmoderation den Dorferneuerungsprozess.

Durch die Dorferneuerung soll eine nachhaltige und zukunftsbeständige Entwicklung des Dorfes unterstützt und die Gemeinde als eigenständiger Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum erhalten und weiterentwickelt werden.

Einen wesentlichen Baustein der Dorferneuerung stellte die Dorfmoderation 2017/2018 dar. In einem Bürgerforum, bestehend aus mehreren Arbeitsgruppen, waren Lösungsansätze für Entwicklungsprojekte zu erarbeiten. Ziel war es, die Ist-Situation und mögliche Handlungsbedarfe aus Bürgersicht zu ermitteln und wichtige Projektideen für die Fortschreibung des Dorferneuerungskonzeptes zur erhalten.

Zum 1. September 2017 stellte die Ortgemeinde Selbach beim Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur den Antrag zur Anerkennung als Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung. Im Rahmen der Dorferneuerung werden Ortsgemeinden mit größeren strukturellen Mängeln durch die Anerkennung als Investitions- und Maßnahmenschwerpunkt für die Dauer von acht Jahren in die Lage versetzt, bestehende Defizite abzubauen. Für die Schwerpunktgemeinden wird ein Teil des zur Verfügung stehenden Bewilligungskontingents reserviert (bis zu 65% Förderung). Für die geförderte Gemeinde besteht dadurch die Gelegenheit, nicht nur punktuell Einzelprojekte, sondern umfassende, ganzheitlich angelegte Konzepte im Rahmen einer aktiven Bürgerbeteiligung zu realisieren.

Das Dorferneuerungskonzept Selbachs forciert eine zielgerichtete Ortsentwicklung und dient als planerische Grundlage für die gesteuerte nachhaltige Innenentwicklung der Gemeinde. Es bildet die Basis für die Beantragung von Zuschüssen konkreter Dorferneuerungsprojekte der Gemeinde sowie privater Vorhabenträger bei der Modernisierung der ortsbildprägenden Bausubstanz. Besitzen Sie beispielsweise ein Fachwerkgebäude, das Sie mit Fördermitteln des Landes sanieren möchten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zum Ortsbürgermeister auf.

Hier das aktuelle Dorferneuerungskonzept, das der Ortsgemeinderat am 08.03.2021 beschlossen hat:

Wir fordern die Sanierung der Landesstraße 289!

Wir fordern die Sanierung der Landesstraße 289!

Die Bürgermeister der Stadt- und Verbandsgemeinde Wissen (Berno Neuhoff), Birken-Honigsessen (Hubert Wagner) und Selbach (Matthias Grohs) fordern in einem offenen Brief an den rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Dr. Volker Wissing eine zügige Sanierung der Landesstraßen 278 (Wissen-Morsbach) und 289 (Selbach/Brunken-Wissen).

Die Ortsgemeinde Selbach lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Liegenschaftsausschusses am 10. März um 17 Uhr (Einfahrt Sportlatz Kirchseifen) ein. Das Gremium möchte sich im Rahmen einer Ortsbegehung ein Bild des aktuellen Straßenzustands machen. Auf die Einhaltung der geltenden Corona-Hygienemaßnahmen wird besonders hingewiesen.

Schon lange unzumutbar für Verkehrsteilnehmer: Die L 289 zwischen Brunken u. Wissen

Offener Brief an den Verkehrsminister vom 12.02.2021 im Wortlaut:

Sanierung der Landesstraßen L 278 und L 289 in der Verbandsgemeinde Wissen, Landkreis Altenkirchen
Pressemitteilung vom 03.02.2021 in der lokalen Ausgabe der Rhein-Zeitung

Sehr geehrter Herr Minister,

in mehreren Artikeln hat die Rhein-Zeitung in den letzten Tagen über den Zustand der Landesstraßen berichtet. Unsere Landesstraßen L 278 (von Wissen bis zur Landesgrenze NRW) und L 289 (Wissen – Kirchseifen bis Selbach-Brunken) finden darin einen nicht unerheblichen, aber zutiefst unrühmlichen Schwerpunkt und werden als die „schlimmsten Holperpisten im Kreis“ bezeichnet. Bereits bei der letzten Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) 2017 galten diese über weite Streckenabschnitte als „besonders marode“. Seitdem verzeichnen wir auf beiden Straßen (Ausnahme Siegbrücke) keinerlei konkrete Maßnahmen Ihrer nachgeordneten Dienststellen zur Verbesserung der Situation, im Gegenteil: Die Fahrbahnen befinden sich in einem derart schlechten Zustand, dass man teilweise geneigt ist, parallel verlaufende Forstwirtschaftswege zu befahren, wären diese denn für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Zahlreiche Bemühungen der letzten Jahre seitens der lokalen Politik und der Bürger (Schreiben an Landtagsabgeordnete, zwei daraufhin verfasste Kleine Anfragen an die Landesregierung, Protestbriefe von Bürgern etc.) erzielten keine Wirkung bei den Entscheidungsträgern.

1. L 289

Die L 289 führt durch die Ortsgemeinde Selbach (Sieg) in den Ortsteilen Brunken und  Kirchseifen zur Stadt Wissen. Die L 289 wurde in den vergangenen Jahren im Westerwaldkreis aufwändig ausgebaut und saniert. Diese Maßnahmen fanden ihren Abschluss exakt an der Kreisgrenze WW-AK, die mit der Gemarkungsgrenze Selbach (Sieg) identisch ist. Ab hier ist die L289 in einem desolaten Zustand, die Verkehrssicherung ist fast im gesamten Verlauf bis nach Wissen schon lange nicht mehr gewährleistet, auch wenn Sie dies, Herr Minister, in Ihrer Antwort zur Kleinen Anfrage v. 09.07.2019 (Drucksache 17/9453) behaupten. Sollten Sie die Strecke selbst einmal fahren, kämen Sie zum selben Ergebnis wie wir! Unzählige tiefe und großflächige Schlaglöcher und nicht vorhandene Banketten belegen dies. Selbst die Tragschicht ist stellenweise massiv angegriffen.

Die L289 muss dringend grundlegend und umfassend saniert werden, eine weitere Aufschiebung der Maßnahme wäre unzumutbar für die Verkehrsteilnehmer und Anwohner, zumal die Straße eine wichtige Verkehrsader im Wisserland und über die beiden Kreisgrenzen hinweg darstellt. Der ehemalige Landrat des Kreises Altenkirchen, Herr Michael Lieber, hat mit Schreiben vom 07.08.2019, den LBM in Koblenz „dringend darum gebeten“, entsprechende Haushaltsmittel bereitzustellen. Vergebens.

Dass der Streckenabschnitt nicht in das aktuelle Bauprogramm bzw. in den Investitionsplan (IP) bis 2023 aufgenommen wurde, entbehrt nicht nur jeglicher fachlicher Logik und dem Grundsatz der Gleichbehandlung (weniger marode Straßen im Land werden in den IP aufgenommen), sondern ist aus unserer Sicht auch eine Verhöhnung aller Bürger, die sich in den letzten zehn Jahren für eine Verbesserung der Situation engagiert haben.

Baudirektor Lutz Nink (LBM Diez) erklärte im August 2020 uns gegenüber, dass die Projektanmeldung zur L 289 angestoßen worden sei. Doch, sehr geehrter Herr Dr. Wissing, davon wird die Straße nicht besser, realistischer Weise wäre mit einem Ausbau in den nächsten 5 Jahren nicht zu rechnen, würde man diesen quälend langsamen Prozess nicht sofort beschleunigen.

2. L278

Hier lesen wir in der Rhein-Zeitung vom 03.02.2021 dass der Ausbau der Holperpiste Wissen – Morsbach auf Eis gelegt ist. Hierüber wir schon sehr erstaunt. Die L 278 ist die Hauptmagistrale zur Autobahn A 4. Speditionen aus dem Wisserland, große Modulraumhersteller, die größten Arbeitgeber der Region und tausende Pendler nutzen diese Straße. Für die Wirtschaft und die Pendler ist diese Straße von immenser Bedeutung. Des Weiteren hat die genannte Pressemitteilung vom 03.02.2021 in der Bevölkerung der Verbandsgemeinde Wissen und auch in der Kommunalpolitik enttäuschte Reaktionen hervorgerufen. Besonders die gewählte Formulierung, wonach sich die genannten Verkehrsanlagen noch in einem verkehrssicheren Zustand befänden, suggeriert die Auffassung, dass ein Ausbauerfordernis erst dann besteht, wenn ein solcher Zustand nicht mehr gegeben ist. Diese Aussage führt meines Erachtens zu keiner allgemeinen Akzeptanz.

Als Folge von den enttäuschten Hoffnungen, die hier genommen wurden, ist die Bevölkerung, als auch die Kommunalpolitik bereit, nachhaltig für ihr Anliegen einzustehen und notfalls auch für den Ausbau zu demonstrieren.

Um kurzfristig auf weitere Anfragen reagieren zu können, bitten wir Sie höflichst um Mitteilung zum aktuellen Planungsstand der im Bereich der Verbandsgemeinde Wissen befindlichen Landesstraßen und um Angaben zu einer Zeitschiene, wann mit einem Ausbau derer – zumindest in Teilbereichen – gerechnet werden kann. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden wir konkrete Maßnahmen überlegen, wie wir unseren Protest zum Ausdruck bringen, denn eine weitere Vertröstung schlägt sonst in Wut um und das Vertrauen in die Politik geht dann gänzlich verloren. Lassen wir es nicht soweit kommen!

Eine Durchschrift dieses Briefes übersenden wir der Abgeordneten des deutschen Bundestages Sandra Weser (FDP) zur Kenntnis und mit der Bitte um Unterstützung und freuen uns auf ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Berno Neuhoff                                                                        
Bürgermeister der Stadt-und Verbandsgemeinde Wissen              

Hubert Wagner
Ortsbürgermeister Birken-Honigsessen

Matthias Grohs
Ortsbürgermeister Selbach (Sieg)        

Doch ken Schläh jekrischt

Doch ken Schläh jekrischt

Anekdötchen of Platt

Die Serie „Anekdötchen of Platt“ behandelt in loser Abfolge kleine, meist humorvolle, Geschichten aus vergangener Zeit, geschrieben von Selbacher Bürgern in Selbacher Dialekt. Dialekt ist kein Zeichen mangelnder Bildung oder Rückwärtsgewandtheit, sondern er schafft Identität und ist Kulturbestandteil. Wir wollen unsere eigene Sprache nicht verlernen: Geben wir sie an unsere Kinder weiter, sprechen wir sie!

In der folgenden Anekdote geht es um zwei Lausbuben, deren Streit anschließend vor der Schulklasse und dem Lehrer als „Richter“ verhandelt wurde. Ein Einblick in den Schulalltag vor 150 Jahren, der ein ganz anderer war als heute.

von Wilhelm Schmidt, um 1890

Selbacher Schüler mit ihrem Lehrer Eduard Groß, Aufnahme von 1910, ein Jahr nach Eröffnung der neuen Schule „In den Hainbuchen“ in der Schulstraße.

Da Bertes Martin on da Piertersch Wilhelm hatten sesch em Dorf jezänkt. On du gingen se menaner bower Rursebouersch her üwer`d Bröckelschen on woarn sesch onjefähr enisch.
Awer wi da Piertersch Wilhelm de Hardt rofging, on da Martin langst de ahl Schurl ronner, du sochen se sesch werrer üwer Kürten Hous.
Du fong da Martin widder an ze schännen: „Dicker Pierter!“ Du sah da Piertersch Wilhelm: „Wenn de jetz det Moul net hältst, dann schmejsen esch da en Sten an dern dicken Kopp.“
Awer da Martin woar net röisch, on da Wilhelm wur bürs, krisch sesch en Sten on schmess.
Der Martin lef on stoch dern Kopp en Kürtens lebendije Gartenhäh. On jenau doa fehl der Sten hin on trof dern Martin an den Kopp. On da Martin hatte en dicken Dotz am Kopp. Dodrof lärmte da Martin, als wenn er sterwen müsste on ref: „Dat würt da Lehrer jewahr.“

Da Wilhelm, der ging no hem on hatte schwere Jewissensbisse. Her os dern Owend nex, on wie seng Vadder von da Arwet kom, do meld’en seng Modder krank: „Da Wilhelm es krank, er hätt nex jegäsen.“ „Wat sall derm dann fählen“, sah seng Vadder, „er woar doch gestern noch jesond?“
Dern annern Morjen, en aller Herrgottsfröh, woar da Wilhelm alt ofjestann, grad dermnoh, wie seng Vadder noh Arwet woar. „Wat wullst du dann alt?“, frocht’n seng Modder. On du läschte er seng Anliejen senger Modder warm an et Herz: „Esch han derm Bertes Martin mem Sten en Dotz an dern Kopp jeschmessen. Der wull et derm Lehrer san on esch kräijen Schläh dern Morjen.“
Seng Modder gow em dern Roat: „Döh dir’n Pappdeckel hängen en de Botze.“ Der Wilhelm sah: „Näh, dat kann esch net, dat knallt ze arisch, dann kreijen esch a noch mi.“ „Na ja“, sah seng Modder, „dann dön esch da zwei Botzen ahn.“ Got, domet woar er zefrinn.

Jetz ging et en de Schurl, et wur jebert, on domet zeischte da Martin alt of, su huh, wie er kunn. Der ahl Lehrer frochte: „Was gibt’s?“ Da Martin leschte loss: „Wilhelm Schmidt hat mich mit einem Stein jeschmissen. Ich hatte einen dicken Dutz bei Kürten Häh.“

Selbacher Lausbuben anno 1890.
Obere Reihe: Peter Märzhäuser (Hannespitersch Peter), Wilhelm Schmidt (Rurns Wilhelm), Peter Heckenbücker (Hamen Peter).
Untere Reihe: Franz Schmidt (Benades Franz), August Heckenbücker (Hamen August).

Dat gow en schweren Krach en de Schurl, hoptsächlich die Fensdorfer kunnten sesch für Laachen net halen. Der ahl Lehrer sah: „So. Dass ihr euch nicht nur mit den Fensdorfern mit Steinen werft, nun bewerft ihr Selbacher euch auch noch untereinander mit Steinen. Klöckner und Schmidt, kommt mal raus! Schmidt, du warst ja der Übeltäter, wie war das?“ „Der Martin, der hat mich geschimpft.“ „Ja, wie hat der denn geschimpft?“ „Dicker Pierter. – Und ich habe ihn gewarnt. Dann habe ich den Stein geworfen. Aber der Stein hätte ihn nicht getroffen, wenn er da, wo er stand, stehenjeblieben wäre. Er ist aber genau dahin jelaufen, wo der Stein niederkam: In die Kürten Häh.“
Do frochte da Lehrer dern Martin: „War das so?“
Bedröppelt sah du der Martin: „Joa.“
Du sah da Lehrer: „Dann seid ihr ja quitt.“

Da Wilhelm kom dern Medach noh hem. „Na“, sah seng Modder, „wat hätt et jegerwen?“
Da Wilhelm woar enttäuscht on sahte: „Wat et jegerwen hätt? Nex! Esch han gestern Owend nex jegäsen, de Näscht net jeschlofen, zwo Botzen anjedohn – on doch ken Schläh jekrischt.“